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Supply Chain Control Tower – Das Kontrollzentrum für die Lieferkette

Supply Chain Control Tower – Das Kontrollzentrum für die Lieferkette

21. Oktober 2020
Control Tower

Supply Chain Control Tower – ein häufig verwendeter Begriff, der viel Interpretationsspielraum bietet. In diesem Artikel wollen wir herausstellen, was es mit dem Supply Chain Control Tower genau auf sich hat, welche typischen Formen es gibt und wie der Control Tower der Zukunft aussehen könnte. 

Was ist ein Supply Chain Control Tower? 

Allgemein handelt es sich beim Supply Chain Control Tower um ein Konzept, das eine zentrale Kontroll- und Monitoringinstanz der Logistikprozesse einnimmt und als Tool eine Übersicht über alle Daten und Prozesse bereitstellt. Der Kern des Konzepts besteht also darin, alle digitalen Informationen abrufen und kontrollieren zu können. Häufig wird der Control Tower auch -daher der Name- mit einem Flugverkehrskontrollturm verglichen, der stets die Übersicht über die Bewegungen des Flugverkehrs am Boden und in der Luft behält. Man kann sich den Control Tower auch wie einen großen Monitor vorstellen, der die gesamten Prozesse entlang der Lieferkette aufzeichnet. Ziel soll es sein, frühzeitig Probleme, Lieferengpässe o.ä. zu erkennen und dementsprechend handeln zu können. Außerdem sollen Schwachstellen schneller erkannt und verbessert werden. 

Zentralisierung von Daten und Transparenz

Die Grundlage für einen funktionierenden Control Tower bildet die Zentralisierung von Daten. Daten, die als Grundlage für Analysezwecke genutzt werden können. Dazu gehören unter anderem Transportdaten, aktuelle Daten zu den Lieferbeständen und Transportkosten. Über ein zentrales System werden bereits bestehende Anwendungen wie ERP-, WMS- und TMS Systeme integriert, sodass es möglich ist, die relevanten Informationen zu synchronisieren und auf einer zentralen Plattform einzusehen. Auch Zulieferer, Hersteller und andere Kooperationspartner können mit eingebunden werden. Auf diese Weise entwickelt sich der Supply Chain Control Tower zu einem Informationsnetzwerk, das eine End-to-end-Visibility über Unternehmensgrenzen und deren jeweilige IT-Systeme hinweg bereitstellen kann. Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sehen 85 Prozent der Studienteilnehmer einen großen Mehrwert in der potenziellen Datenteilung. 

Weitere Funktionen

Ein wesentlicher Faktor des Control Towers ist die Aufzeichnung von Echtzeit-Daten. Wo ist die Bestellung momentan? Wie viel Zeit wird noch benötigt, bis sie am Ziel ankommt? Im Control Tower integriert sind dafür Track & Trace-Lösungen, die den gesamten Transportprozess der Lieferkette aufzeichnen. So kann der gesamte Transportprozess transparent abgebildet werden und Grundursachen für Probleme können leichter identifiziert und behoben werden.  Je nach Control Tower gibt es darüber hinaus noch weitere Funktionen wie Alarmfunktionen und Analysetools, die die Grundfunktionen ergänzen.

Die verschiedenen Control Tower-Typen

Wie bereits eingangs erklärt, bietet der Begriff “Control Tower” viel Interpretationsspielraum. Auch analytische Systeme bezeichnen sich häufig als Control Tower. Diese stellen oft zwar sowohl eine transparente Übersicht der Lieferkette als auch die nötigen Analysetools als Grundlage für die Entscheidungsfindung bereit. Im Unterschied zum operativen Control Tower gibt es jedoch keine Möglichkeit, Lösungen direkt operativ im System umzusetzen. 

Operative Control Tower bieten genau diese fehlende Instanz. Beim operativen Control Tower werden End-to-end-Prozesse überwacht und gesteuert. Sie ermöglichen auf Grundlage von Echtzeit-Daten, nicht nur Probleme zu erkennen, sondern diese auch im System zu lösen und operative Vorgänge durchzuführen. 

Einige Control Tower unterscheiden sich zudem in ihrem Fokus. So sind einige Systeme eher auf den Transport fokussiert, während andere die gesamte Lieferkette im Blick behalten und Bereiche wie das Auftrags- und Bestandsmanagement miteinbeziehen.

Der Weg zum intelligenten Control Tower 

Künstliche Intelligenz und damit einhergehende Methoden wie Machine Learning und Predictive Analytics bieten die Möglichkeit, Prozesse zunehmend zu automatisieren – auch im Control Tower. Experten gehen davon aus, dass Lieferketten bereits in ein paar Jahren durch Zukunftstechnologien vollkommen digitalisiert werden und zunehmend autonom und adaptiv betrieben werden können. Die KI-Technologie geht über die Entscheidungsunterstützung hinaus. Sie schließt Entscheidungsfindung sowie autonome Steuerung mit ein und kann sich so automatisch den Nachfrage- und Angebotsschwankungen anpassen. 

Wie genau funktioniert Machine Learning? 

Machine Learning kann als Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz Muster und Algorithmen in bestehenden Datensätzen erkennen und basierend darauf Lösungen entwickeln. Damit die Software eigenständig lernen kann, benötigt sie jedoch neben einem Datenbestand, zuvor festgelegte Regeln. Auf diese Weise können z.B. benötigte Lagerbestände automatisch an Nachfrageschwankungen angepasst werden. 

Predictive Analytics & Prescriptive Analytics 

Durch statistische Verfahren und Analysen können mithilfe von Predictive Analytics Wirkungszusammenhänge historischer Daten herausgestellt und Vorhersagen generiert werden. Auf deren Grundlage ist es möglich, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen. Prescriptive Analytics geht noch einen Schritt weiter. Durch Simulationsmodelle werden sogenannte „Wenn-Dann-Szenarien“ erstellt, Entscheidungsoptionen miteinander verglichen und Handlungsempfehlungen gegeben. Der Control Tower könnte mit selbstlernenden Algorithmen in Zukunft Lösungen immer besser angleichen und selbstständig umsetzen. 

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