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Wie digitale Innovationen die Effizienz und Resilienz der Supply Chain stärken

Wie digitale Innovationen die Effizienz und Resilienz der Supply Chain stärken

29. Oktober 2020
Supply Chain

Unterbrochene Lieferketten, geschlossene Grenzen, fehlende Mitarbeiter: Die weltweite Corona-Pandemie stellt die Logistikbranche in diesem Jahr vor große Herausforderungen. Eines hat sich dabei schon jetzt gezeigt: Einige Unternehmen konnten besser auf die Krise reagieren als andere. Digitalisierung und Resilienz sind dabei entscheidende Faktoren. Denn in international stark arbeitsteiligen Wirtschaftsmärkten mit teils hohen Volatilitäten führen äußere Einwirkungen immer häufiger zu Störungen in der Lieferkette. Laut einer Studie des Fraunhofer- Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA rechnen Experten außerdem mit einer deutlich schnelllebigeren und dynamischeren Zukunft. Denn Kunden erwarten mehr Flexibilität bei der Warenzustellung und Produktauswahl. Bei diesen Rahmenbedingungen ist es wichtig, die eigenen Prozesse zu analysieren und möglichst stabil und effizient aufzustellen.

Gründe für Störungen in der Lieferkette

Bereits vor der Pandemie waren Störungen keine Seltenheit. Unter anderem Verzögerungen bei Grenzkontrollen, unzureichende Planungsschritte und Fehler in der Dokumentation oder Kommunikation führen immer wieder zu Beeinträchtigungen, die durch die aktuelle Corona-Krise noch einmal verstärkt werden.

Wie erreicht man die nötige Resilienz und gleichzeitig effiziente Prozesse entlang störungsanfälliger Lieferketten?

Eine widerstandsfähige Lieferkette zeigt sich vor allem dadurch, dass sie Beeinträchtigungen besser entgegenwirkt, sich an interne und externe Veränderungen anpasst und sich schneller von den Folgen erholt. Im Folgenden sind einige Punkte aufgelistet, die dazu beitragen, Prozesse im Supply Chain Management effizienter und resilienter zu gestalten. 

Nachfrageschwankungen frühzeitig erkennen

Einschränkungen beim Einkauf auf der einen Seite, Panikkäufe auf der anderen: Das Kaufverhalten hat sich während der Corona-Pandemie stark verändert. Flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können, ist also wichtiger denn je.

Der Bullwhip-Effekt

Der sogenannte Bullwhip-Effekt beschreibt die Auswirkungen, die sich bei Nachfrageschwankungen durch die gesamte Lieferkette ziehen und angefangen beim Endkunden bis zum Hersteller zunehmen. Ein Grund dafür ist, dass die veränderte Nachfrage zeitverzögert weitergeleitet wird. Ein weiterer Grund ist, dass tendenziell auf jeder Stufe der Lieferkette mehr als die nachgefragte Menge in Auftrag gegeben wird: Der Einzelhändler bestellt sicherheitshalber mehr als die nachgefragte Menge beim Großhändler. Der Großhändler wird dann ebenfalls eine größere Menge beim Hersteller bestellen, damit Lieferengpässe vermieden werden können. Als Konsequenz wird der Hersteller mehr produzieren als eigentlich nachgefragt wird. 

Veränderungen auswerten und rechtzeitig reagieren 

Um diesem Problem entgegenzuwirken und die Resilienz der Lieferkette zu stärken, wird ein Supply-Chain-Management benötigt, das mit möglichst geringen Verzögerungen auf Veränderungen reagieren kann. Um in Zukunft besser auf eine derartige Krise wie die Corona-Pandemie vorbereitet zu sein, sollte daher geprüft werden, ob es Indikatoren gibt, die bereits früh erkennen lassen, dass Handlungsbedarf besteht. Bei der Auswertung dieser Indikatoren ist jedoch Vorsicht geboten. Denn eine steigende Nachfrage muss nicht von Dauer sein. Das hat z.B. der Corona-bedingte Zulauf bei Toilettenpapier und Masken gezeigt. Da der Kunde aus Angst vor Engpässen eine besonders hohe Menge an Artikeln gekauft hat, resultierte daraus eine enorm angestiegene Nachfrage. Jedoch wird diese stark erhöhte Nachfrage, so schnell wie sie gestiegen ist, auch wieder abnehmen, wenn sich die Situation verändert bzw. normalisiert. Wird die erhöhte Nachfrage als andauernd bewertet, sind ein zu hoher Bestand und hohe Lagerkosten die Folge. Dies sollte auch beim Einsatz von digitalen Innovationen und Methoden berücksichtigt werden. Fortschrittliche Analysemethoden wie Predictive Analytics können auf Basis von historischen Daten, Vorhersagen zu bevorstehenden Entwicklungen, Aktivitäten und Trends treffen. Wenn jedoch ein derartiger Strukturbruch und eine Ausnahmesituation wie die Pandemie eintritt, kommen auch ausgereifte Analysemethoden an ihre Grenzen. Das System muss folglich eine neue Parameterschätzung vornehmen, um auf Basis neu gewonnener Erkenntnisse und Erfahrungswerte die Entwicklungen neu abzuschätzen.  

Transparenz erhöhen

Transparenz ist wichtig, um Abweichungen und Probleme schnell zu erkennen sowie ein Maximum an Informationen bereitstellen und schnell reagieren zu können. Digitale Innovationen, die eine End-to-end Visibility bereitstellen, ermöglichen es, einzelne Stufen und jeden Prozessschritt der Supply Chain transparent abzubilden. Digitale Supply Chain-Plattformen wie limbiq.com, die neben Track & Trace ebenfalls Optionen zur Kommunikation zwischen allen Beteiligten der Lieferkette bieten, können zudem Kommunikationsprobleme reduzieren und einen kontinuierlichen Informationsfluss fördern. So ist jeder Beteiligte der Lieferkette zu jedem Zeitpunkt in der Lage, den aktuellen Status und alle wichtigen Informationen und Dokumente zur Lieferung abzurufen. 

Nutzung von Echtzeitdaten als Entscheidungsunterstützung 

Um eine Entscheidung treffen zu können, bedarf es vor allem vollständiger Informationen. Informationen über den aktuellen Zustand und darüber, wie sich die Entscheidung auswirken könnte. Dies betrifft sowohl Änderungen im Ablauf, als auch komplette Änderungen der Routen. Daher sollte ein Backup-Plan mit Alternativen gut durchdacht sein. Denn mit jeder Routenänderungen kommen wieder neue Anforderungen und Risikopotentiale auf den Transport zu. Ein System, das möglichst viele Daten in Echtzeit an einem Platz sammelt und diese übersichtlich bereitstellt, erleichtert es, angemessene Entscheidungen zu treffen. In Zukunft wird in diesem Bereich Künstliche Intelligenz eine zunehmend bedeutende Rolle spielen. Künstliche Intelligenz kann auf Grundlage von gesammelten Daten Empfehlungen geben und bei der Entscheidungsfindung unterstützen, indem auf Basis der vorhandenen Daten Lösungswege aufgezeigt werden. 

Automatisierung der Prozesse 

Mittlerweile gibt es immer mehr Möglichkeiten, Technologien wie KI und robotergesteuerte Prozessautomatisierung zu integrieren, die helfen, alltägliche Aufgaben zu automatisieren. Die Wahl der passenden Software und die technische Kompatibilität sind dabei große Herausforderungen. Prozessautomatisierung bietet das Potenzial, Fehlerquellen zu reduzieren und Transporte schneller abwickeln zu können. Im Bereich der Lagerlogistik besteht die Möglichkeit, automatisierte Systeme aus der Ferne zu bedienen, indem z.B. Robotik beim Kommissionieren eingesetzt wird und bedeutsame Informationen zu den Prozessen kontinuierlich aus der Ferne eingesehen und kontrolliert werden können. Nicht nur während einer Pandemie kann diese Fähigkeit von hoher Bedeutung sein.  

Fazit

COVID-19 hat zu einigen Beeinträchtigungen geführt und viele Branchen dazu gezwungen sich digitaler aufzustellen. Neben der Pandemie werden jedoch voraussichtlich noch viele weitere Herausforderungen auf uns zu kommen. Digitale Innovationen tragen dazu bei, die Effizienz und Resilienz der Supply Chain zu stärken, indem Informationen kontinuierlich in Echtzeit bereitgestellt, Probleme eher erkannt und somit schneller auf außerplanmäßige Änderungen reagiert werden kann.

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