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Corona-Impfstoff: Die logistischen Herausforderungen

Corona-Impfstoff: Die logistischen Herausforderungen

27. November 2020

Weltweit wird zur Bekämpfung der Pandemie aktuell große Hoffnung in die Entwicklung des Corona-Impfstoffs gesetzt. Kurz vor der Zulassung befindet sich der Impfstoff von Biontech und Pfizer. Aber auch andere Unternehmen wie CureVac und Moderna sind mit der Entwicklung des Impfstoffs bereits weit fortgeschritten. In Hinblick auf die weltweite Verbreitung dürfte insbesondere der Impfstoff von Biontech eine große logistische Herausforderung darstellen. Denn dieser setzt eine Kühlung von -70 Grad voraus, was besondere Vorkehrungen erfordert. Zum Vergleich:  Der Impfstoff von Moderna soll bei einer Temperatur von -20 Grad gelagert werden können, aber auch 30 Tage bei Kühlschranktemperatur stabil sein.  Der Impfstoff von CureVac zeigte sogar eine mindestens dreimonatige Stabilität bei 5 Grad. Jedoch ist dessen Wirksamkeit noch fraglich.

Transport und Lagerung bei -70 Grad

Eine der größten Herausforderungen beim Transport und bei der Lagerung des Impfstoffes wird die Aufrechterhaltung der Kühlkette sein. Bei den meisten kühlpflichtigen Arzneimitteln liegt die erforderliche Temperatur bei 2 bis 8 Grad. Der Impfstoff von Biontech kann bei diesen Temperaturen jedoch nur etwa 5 Tage gelagert werden. Um also sicherzustellen, dass die Kühlkette bei -70 Grad erhalten bleibt, sollen spezielle Kühlboxen mit Trockeneis oder gefrorenem Kohlendioxid für den Transport zur Verfügung gestellt werden. Für die Lagerung sollen zudem spezielle Impfzentren mit Ultratiefkühlschränken errichtet werden. Denn weder Arztpraxen noch Krankenhäuser verfügen über die Lagerungskapazitäten, die für einen Impfstoff mit Temperaturanforderungen von -70 Grad nötig wären. 

Aufrechterhaltung der Kühlkette im weltweiten Transport

Auch andere Arzneimittel wie Präparate gegen Ebola mussten bereits tiefgekühlt transportiert werden. Corona erreicht mit der weltweiten Ausbreitung jedoch ein anderes Ausmaß. Während die Impfstoffe hauptsächlich in Ländern mit einer intakten Infrastruktur entwickelt werden, muss die Verteilung weltweit erfolgen. Gerade bei Ländern mit einer sehr hohen Außentemperatur oder einer wenig ausgeprägten Kühlketten-Logistik-Infrastruktur ist die Auslieferung eine besonders große Herausforderung.

Zudem besteht wenig Zeit, die Logistikprozesse vorzubereiten. Jedes Verfahren muss von der verantwortlichen Person abgezeichnet, genehmigt und datiert werden, sodass jeder Schritt auch im Nachhinein noch nachvollzogen werden kann. Außerdem muss das zuständige Personal für die besonderen Anforderungen speziell geschult werden. Auch die Zollabfertigung muss bestmöglich vorbereitet sein, damit eine schnelle Lieferung ermöglicht und langwierige Zollkontrollen vermieden werden können. 

Hohe Sicherheitsbestimmungen

Eine weitere Herausforderung ist der Punkt Sicherheit. Der Corona-Impfstoff ist empfindlich und wertvoll. Daher stellen Diebstahl und eine Unterbrechung der Kühlkette große Risiken dar. Es werden also besondere Schutz- und Überwachungsmaßnahmen nötig sein, um den Transport zu sichern. Allgemein unterliegt der Transport von Arzneimitteln bereits strengen Regeln.  Um die Sicherheit und die Qualität von Arzneimitteln aufrechtzuerhalten, gelten in Europa die „Good Distribution Practice“-Guidelines. Ein Hauptziel der Leitlinien ist, zu verhindern, dass gefälschte Arzneimittel in die Lieferkette gelangen. Außerdem sollen sie die Kontrolle der Vertriebskette sicherstellen und Diebstahl verhindern. Sie regeln unter anderem die Anforderungen an Dokumentation, Qualitätsmanagement und Transport.

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