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Die Europalette wird 60 Jahre alt

Die Europalette wird 60 Jahre alt

4. Februar 2021
Europalette

Weit verbreitet, praktisch und einfach herzustellen: Die Europalette. In diesem Jahr feiert die Europoolpalette (kurz: Europalette) runden Geburtstag und wird 60 Jahre alt. Wir wollen zu diesem Anlass noch einmal einen ganz genauen Blick auf die zunächst unscheinbar wirkende Holzkonstruktion werfen. Die Idee entstand vor 60 Jahren als die Forderungen einer einheitlichen Form immer lauter wurden. Denn zuvor gab es unzählige Verpackungsgrößen, wodurch wertvolle Lager- und Transportkapazitäten verloren gingen. 

Aus diesem Grund beschloss der Verband der internationalen Eisenbahnen (UIC – Union internationale des chemins de fer) Anfang 1961 eine genormte Transportplattform für Europa einzuführen. Seitdem hat die Holzpalette die Logistikbranche stark beeinflusst und die Abfolgen im Warenverkehr optimiert. Zunächst ein paar Fakten: Eine Europalette entspricht den folgenden Maßen: 120 cm Länge, 80 cm Breite und 14,4 cm Höhe. Die Standard-Europalette aus Holz wird aus ganz bestimmten CO2-neutralen Holzsorten gefertigt, die genauen Qualitätsanforderungen entsprechen müssen.  Außerdem besteht eine Palette aus genau neun Klötzen, 78 Nägeln und elf Brettern. In dieser Bauweise kann die Palette mit einem Eigengewicht von 20 Kilogramm bis zu 1.000 Kilogramm an einer Stelle und bis zu 2.000 Kilogramm verteilt auf die gesamte Palette tragen. Aus wie vielen Brettern die Palette besteht, war übrigens in einer Folge der RTL-Show „Wer wird Millionär“ die Eine-Million-Euro-Frage, die der Kandidat richtig beantworten konnte.

Europaletten

Palette mit einmaligem Tauschsystem 

Seit den Anfängen der Europalette hat sich einiges getan. Mittlerweile gibt es 440 Europaletten-Hersteller allein in Deutschland. Über die Qualität der Herstellung und Reparatur wacht der 1991 gegründete European Pallett Association e.V. (EPAL). EPAL ist der Dachverband der Hersteller und Reparateure von EPAL-Ladungsträgern. Dazu gehören mittlerweile mehr als 1500 Betriebe in über 30 Ländern. Insgesamt sollen weltweit schätzungsweise etwa 450 bis 500 Millionen Europaletten im Umlauf sein. 

Die Europalette spart nicht nur Platz, sondern auch Zeit. Denn nicht nur Transporter, auch die Lagerhallen sind mittlerweile so gut an die Europalette angepasst, dass Be- und Entladung immer schneller ablaufen und man sich einen Transport ohne Paletten schon gar nicht mehr vorstellen kann. Dazu kommt ein einmaliges Tauschsystem, bei dem beladene Paletten gegen unbeladene Paletten getauscht werden. D.h. man liefert seine Palette vollständig beladen an und erhält im Gegenzug eine unbeladene zurück. Dabei muss jedoch beachtet werden, den Qualitätskriterien entsprechen, das genormte Brandzeichen enthalten und nicht beschädigt sein dürfen. Das Tauschsystem ist zudem noch nicht überall in der EU verbreitet. Dennoch spart es enorm Zeit und Material, da die Waren auf den Paletten bleiben können und die Palette direkt weiterverwendet werden kann. 

Die Europaletten sind für LKW und Güterzug im europäischen Frachtverkehr optimal angepasst. Für den internationalen Seeverkehr beruhen die Maße der Standard-Container hingegen auf amerikanischen Maßen, woran die Europalette nicht angepasst ist. Der im europäischen Logistikmarkt zur Verfügung stehende Pallett Wide Container, auch Binnencontainer genannt, weist im Vergleich zum Standard-ISO-Container bei identischen Außenabmessungen, einen nur wenige Zentimeter breiteren Innenraum auf, welcher jedoch einen signifikanten Unterschied ausmacht und damit Platz für mehr Paletten bietet.

Die intelligente Europalette

In einem gemeinsamen Enterprise Lab entwickeln EPAL und das Fraunhofer-Institut intelligente Europaletten (iPAL) mit dem Ziel ein intelligentes Palettennetzwerk zu schaffen. Mit GPS-Tracker und QR-Code ausgestattet, ist die Palette dann nicht mehr nur Ladungsträger, sondern übernimmt außerdem die Rolle des Informationsträgers. Nicht nur der Ort, auch Informationen wie Zustand und Temperatur sollen mit dem intelligenten System übermittelt werden können. Darüber hinaus wird an weiteren Schnittstellen gearbeitet, sodass es bald z.B. möglich sein soll, mit dem Smartphone via Bilderkennung die Paletten zu zählen und das System mit künstlicher Intelligenz zu verbinden.

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