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Brexit – Veränderte Zollbestimmungen und Auswirkungen auf die Logistik

Brexit – Veränderte Zollbestimmungen und Auswirkungen auf die Logistik

25. Februar 2021
Brexit

Knapp zwei Monate sind nun seit dem Ende der Übergangsphase des Brexits vergangen. Ein kurzer Rückblick: Am 24. Dezember einigten sich die EU und das Vereinigte Königreich nach monatelangen Verhandlungen auf ein Handels- und Kooperationsabkommen. Damit sind die Briten seit dem 01. Januar 2021 nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes und der EU-Zollunion. Bereits im Vorfeld hatten die bevorstehenden Änderungen zu Chaos an den britischen Häfen geführt, weil viele Unternehmen versucht hatten, ihre Lager noch vor Ablauf der Übergangsphase zu füllen.

Inwiefern hat sich der Warenverkehr in den letzten zwei Monaten verändert?

Anfang des Jahres blieb zwar das große Chaos aus, was folgte war jedoch ein reduzierter Güterverkehr. Wie die WirtschaftsWoche berichtete, hätten statt 5000 bis 6000 lediglich rund 2000 LKW den Kanal auf Fähren überquert. Rund ein Fünftel aller eintreffenden LKW seien demnach aufgrund fehlerhafter oder mangelhafter Papiere zurückgeschickt worden. Probleme gab es außerdem bereits beim Export von Lebensmitteln wie von Fisch, der teilweise komplett gestoppt werden musste, weil zahlreiche weitere Papiere wie Gesundheitszertifikate und Zollerklärungen, den Transport verzögerten.  Auch DB Schenker und der Paketdienst dpd hatten die Transporte zwischenzeitlich ausgesetzt. Der zusätzliche bürokratische Aufwand sorgt außerdem für zusätzlich Kosten, welche sich auch in steigenden Preisen widerspiegeln.

Veränderte Zollbestimmungen und mehr Bürokratie

Mit dem Brexit haben sich auch die Zollbestimmungen geändert. So sind nun für alle Waren, die von Großbritannien in die EU und umgekehrt eingeführt werden, Zoll- und Einfuhranmeldungen notwendig. Hoher Aufwand entsteht vor allem wenn unterschiedliche Arten von Waren transportiert werden. Daher kann es zu langen Wartezeiten kommen. Die Zollbefreiung gilt übrigens nur, wenn die Waren ihren Ursprung in der EU oder UK (als Ausfuhrland) haben. Erfüllen sie die Anforderungen der Ursprungsregeln nicht oder kann dies nicht nachgewiesen werden, werden trotzdem Zölle fällig.

Jetzt könnte man sich fragen, warum der ganze Zusatzaufwand trotz Abkommen überhaupt notwendig ist. Da sich Großbritannien nicht mehr im EU-Binnenmarkt und in der EU-Zollunion befindet, besteht für das Land auch keine Pflicht mehr EU-Standards einzuhalten. Außerdem kann Großbritannien jetzt eigenständige Handelsverträge abschließen. Durch mehr Kontrollen und Dokumentationsaufwand soll also sichergestellt werden, dass Qualitätsstandards eingehalten und Waren aus Drittländern nicht unverzollt über Großbritannien in die EU eingeführt werden.

Das Brexit-Problem mit Nordirland

Ein weiteres Problem des Brexit-Deals stellt Nordirland dar. Damit es nicht zu einer harten Grenze zwischen Irland und Nordirland kommt, gelten für Nordirland mit dem sogenannten „Protokoll zu Nordirland“ Sonderregelungen. Diese geben vor, dass für die britische Provinz im Gegensatz zu den übrigen Teilen Großbritanniens weiterhin die Regelungen des EU-Binnenmarktes gelten. So wird zwar die harte Grenze zwischen Irland und Nordirland vermieden, dafür entsteht jedoch eine neue Warengrenze zum übrigen Vereinten Königreich. Durch die neuen Abläufe kommt es zu großen Verzögerungen, sodass einige Lebensmittel teilweise nicht mehr nach Nordirland geliefert werden konnten und leere Supermarktregale folgten. Ab April, nach Ende der dreimonatigen Übergangsphase, sollen die Regelungen zudem noch verstärkt werden. Großbritannien habe die EU jedoch laut BBC bereits um eine Verlängerung der Übergangsphase bis 2023 gebeten.

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