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Kombinierter Verkehr: Entwicklung, Herausforderungen, Digitalisierung

Kombinierter Verkehr: Entwicklung, Herausforderungen, Digitalisierung

17. März 2021
Kombinierter Verkehr

Seefracht, Luftfracht und LKW sind typische Transportwege in der Logistik und jeder Transportweg hat seine Vor- und Nachteile. Um die jeweiligen Vorteile zu vereinen, macht es Sinn diese zu kombinieren. Damit kommen wir zum Thema „kombinierter Verkehr“. Neben den Vorteilen gibt es aber auch eine Reihe an Herausforderungen, die bei der Nutzung des kombinierten Verkehrs eine Rolle spielen. Welche das sind und an welchen digitalen Innovationen aktuell gearbeitet wird, dazu gleich mehr.  

Was genau versteht man unter kombinierten Verkehr?

Wie der Name schon sagt, versteht man unter dem kombinierten Verkehr (kurz KV) die Kombination von mehreren Verkehrsträgern. Besonders typisch ist z.B. die Kombination von Schienenverkehr oder der (Binnen-) Schifffahrt mit dem LKW. Der größte Teil der Strecke wird dabei mit der Bahn oder dem Schiff zurückgelegt und nur der Vor- und Nachlauf erfolgt auf der Straße. 

Beim kombinierten Verkehr kann zwischen dem begleiteten und unbegleiteten kombinierten Verkehr unterschieden werden. Beim begleiteten kombinierten Verkehr wird der komplette LKW per Schiff oder Bahn transportiert. Auch der Fahrer begleitet die Fahrt und setzt sie im Anschluss fort. Beim unbegleiteten kombinierten Verkehr wird hingegen nur der Container per Bahn oder Schiff transportiert und dann auf den LKW umgeladen. Der Begriff „kombinierter Verkehr“ wird oftmals zudem mit dem Begriff „intermodaler Verkehr“ gleichgesetzt.  

Entwicklung des kombinierten Verkehrs 

Allgemein wird dem kombinierten Verkehr ein hohes Wachstumspotential zugeschrieben. Nachdem die Zahlen jahrelang gestiegen sind, stagnierte die Anzahl der Sendungen, die mittels KV transportiert wurden, laut eines Berichts des Branchenverbands UIRR 2019 jedoch mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent. Gründe seien unter anderem der Unfall auf der Brücke des Großen Belt, Naturkatastrophen, der Streik in Frankreich und unzureichend koordinierte Arbeiten an der Infrastruktur gewesen. Auch die Verlangsamung der europäischen Wirtschaft und ein niedriger Ölpreis, der den Straßentransport stärkte, führten zu einer Reduktion des Kombinierten Verkehrs. Auch für das Jahr 2021 gehen die von BSL Transportation befragten Unternehmen von einem Rückgang aus. Erst zwischen 2022 und 2024 werde sich dieser Trend wieder umkehren. 

Die Vorteile 

Ein großer Vorteil des kombinierten Verkehrs ist, dass die Vorteile der Verkehrsmittel miteinander verknüpft werden können.  Insbesondere in Hinblick auf den angestrebten  geringeren CO2-Verbrauch spielt dieser eine bedeutsame Rolle. Außerdem werden die Straßen entlastet und Staus reduziert. Bis 2030 soll der Anteil des kombinierten Verkehrs daher deutlich gesteigert werden. 

Die hauptsächliche Nutzung von Schiff oder Schienen gilt zudem als sehr sicher. Einen weiteren Vorteil bringt die Ausnahmeregelung hinsichtlich der Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen für KV-Fahrten sowie die Sonderregelung, dass beim Transport ein Gesamtgewicht von 44 Tonnen zulässig ist. 

Die Herausforderungen

Eine wesentliche Herausforderung im kombinierten Verkehr ist der erhöhte Organisationsaufwand. Dadurch, dass am Transportprozess mehrere Prozessbeteiligte involviert sind, bedarf der gesamte Ablauf einer besseren Organisation. Auch der Umschlag der Container auf ein anderes Verkehrsmittel ist mit zusätzlichem Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden. 

Eine weitere Herausforderung stellt die begrenzte Terminalkapazität dar. Für eine Verstärkung des kombinierten Verkehrs sind entsprechender Platz sowie gut erreichbare Terminals notwendig. Außerdem müssen einzelne Transporte so synchronisiert werden, dass die Container pünktlich umgeladen und weiter transportiert werden können. 

Digitalisierung und Innovationen  

Die Digitalisierung der Logistikprozesse nimmt auch im kombinierten Verkehr an Fahrt auf. Um den Containerumschlag in KV-Terminals flexibler zu gestalten, wurde im Juli letzten Jahres das Projekt „Autonome Innovation im Terminalablauf“ ins Leben gerufen. Zentrales Projektobjekt ist ein vollautomatisierter LKW von MAN, der sich im Container-Depot von DB Intermodal Services und dem DUSS-Terminal am Standort Ulm Dornstadt automatisiert bewegen wird. Mithilfe von Algorithmen sollen zudem Ortung und Hinderniserkennung ermöglicht werden. Zunächst werden dazu Verhaltensweisen von Mensch und Maschinen auf dem Terminalgelände analysiert, um sie dann in digitale Prozesse und Regelwerke zu übertragen. 

Um den kombinierten Transport noch planbarer und zuverlässiger zu gestalten, wird außerdem zunehmend auf die Dringlichkeit nach mehr Transparenz und besseren Informations- und Kommunikationslösungen hingewiesen. Digitale Supply-Chain-Management-Plattformen wie limbiq.com helfen dabei, den Organisationsaufwand durch eine effizientere Kommunikation und ein übersichtliches Management der Lieferprozesse zu minimieren. Die Kommunikation durch Telefon und E-Mail wird so durch einfache Collaboration-Tools wie einer Chatfunktion ersetzt.  Aufträge und Lieferprozesse werden mit aktueller Statuseinsicht übersichtlich dargestellt und dokumentiert.

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