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Automatisierung im Straßengüterverkehr: Welches Potenzial verbirgt sich hinter „Platooning“?

Automatisierung im Straßengüterverkehr: Welches Potenzial verbirgt sich hinter „Platooning“?

16. April 2021
Platooning

Der technologische Fortschritt der Automatisierung zeigt sich bereits jetzt in modernen Fahrzeugen z.B. durch moderne Fahrerassistenzsysteme (FAS), die den Fahrer dabei unterstützen, auf der Spur zu bleiben, das Tempo zu halten oder rechtzeitig zu bremsen. Das sogenannte “Platooning” zählt im Güterverkehr als Vorstufe auf dem Weg zum autonomen LKW. 

Was genau versteht man unter Platooning?

Durch Platooning (engl. Platoon = Einheit, Trupp) fahren mehrere LKW automatisiert hinter einem Führungsfahrzeug. Über Car-to-Car-Kommunikation sind die LKW miteinander vernetzt und tauschen über WLAN Daten über das Fahrverhalten aus. So kann das Führerfahrzeug Geschwindigkeit sowie Bremsreaktionen und Fahrtrichtung auf die folgenden LKW übertragen. Kamera und Radarsensoren ermöglichen es den Fahrzeugen schnell auf ihr Umfeld und auf Gefahren zu reagieren. Im Idealfall ist es so möglich, dass die Kolonne, bestehend aus mehreren LKW, nur noch einen Fahrer benötigt. Dadurch, dass die LKW genau aufeinander abgestimmt sind, kann der Abstand untereinander zudem auf 15-21 Meter reduziert werden. Unter normalen Umständen wäre das viel zu wenig. Ziel ist es auf diesem Weg Platz und Kraftstoff einzusparen. Laut Studienergebnissen des I-AT (Interregional Automated Transport) – Projekts seien so Kraftstoffeinsparungen zwischen 5-15 % möglich. 

Wie hoch ist der Nutzen für die Logistikbranche? 

Im Laufe des Forschungsprojektes „Automatisiertes und vernetztes Fahren (ATLaS)“ wurde das Potenzial des autonomen LKW untersucht. In den laufenden Projekten sind die in der Kolonne fahrenden LKW aus Sicherheitsgründen noch mit einem Fahrer besetzt. Das langfristige Ziel besteht jedoch darin, das Platooning weitgehend autonom zu gestalten. Ergebnisse verschiedener Einsatzszenarien und Experteninterviews zeigten, dass das automatisierte Fahren mit Fahrern nur einen geringen Nutzen für die Logistikbranche bringt. Das fahrerlose Fahren hingegen würde zu deutlichen Zeit- und Kostenvorteilen führen. Zwar trägt die LKW-Kolonne durch eine effizientere Fahrweise zur Reduktion der CO2 Emissionen bei, jedoch wäre es aus Sicht des Umweltschutzes wesentlich vorteilhafter, den Transport auf die Schiene zu verlagern. Das automatisierte Fahren könnte also durch die Verlagerung zurück auf die Straße genau das Gegenteil bewirken – und zwar eine Zunahme der CO2-Emissionen. 

Könnte der Fahrermangel durch Platooning gelöst werden? 

Bereits seit Jahren ist der Fahrermangel eine große Herausforderung in der Logistikbranche. Im Realverkehr ist das Platooning heute noch nicht erlaubt. Große Hoffnung liegt dennoch auf autonom fahrende LKW, in Zukunft auch den Fahrermangel gezielt angehen zu können. Doch die Meinungen gehen hier auseinander. Selbstfahrende LKW hätten zwar das Potenzial dem Fahrermangel entgegenzuwirken. Dennoch sind die autonomen Fahrzeuge auch mit einem hohen Investitionsaufwand verbunden, den sich ohne Unterstützung wahrscheinlich nur die große Unternehmen leisten könnten. 

Probleme bei rechtlichen Rahmenbedingungen und Datenaustausch 

Ein weiteres Problem sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, die mit dem Platooning einhergehen. Erst im letzten Jahr hatte das I-AT (Interregional Automated Transport)-Projektteam seine Ergebnisse aus zwei Studien präsentiert und auf Unzulänglichkeiten im Datenaustausch zwischen den Fahrzeugen und nicht ausreichende rechtliche Rahmenbedingungen hingewiesen. Ein vollständig autonom fahrender LKW liegt also noch in weiter Ferne. Denkbar sind dennoch, dass in Zukunft Teilstrecken automatisiert zurückgelegt werden, um den Fahrer zu entlasten. Wir können also noch gespannt sein, wie sich die Automatisierung im Straßengüterverkehr weiterentwickeln wird.  

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