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Havarie Grosse und weitere Entwicklungen nach Suez Kanal Blockade

Havarie Grosse und weitere Entwicklungen nach Suez Kanal Blockade

23. April 2021
Ever Given

Ein Monat ist es nun her, dass die Ever Given, eines der weltweit größten Containerschiffe der Welt, im Suezkanal auf Grund ging und die wichtige Wasserstraße in Ägypten blockierte. Nachdem sich 422 Schiffe anstauten, konnte das Containerschiff nach 6 Tagen befreit werden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, werden die Folgen schätzungsweise jedoch noch bis in den Sommer zu spüren sein. Laut der Vorstandschefin des Hamburger Hafenlogistik-Konzerns HHLA, Angela Titzrath werde es noch drei bis vier Monate dauern, bis sich die Lage entzerrt. Auch die Frachtpreise würden sich bis dahin nicht entspannen. Mit einem Stau vor dem größten Hafen Deutschlands rechnet sie jedoch nicht.

Havarie Grosse – Wer muss für die entstandenen Kosten aufkommen?

Am 1. April erklärte die Reederei Evergreen Marine die „Havarie Grosse“ (engl. General Average“). Doch was genau ist damit gemeint? Von einer Havarie Grosse spricht man, wenn für die Rettung des Schiffs und der Ladung außergewöhnliche Aufwendungen wie die Bergung oder der Seewurf der Güter notwendig sind. Nach den gesetzlichen Regelungen des Seerechts werden die daraus entstehenden Kosten dann gemeinsam von Schiff und Ladung getragen. Diese Regelung reicht bis in die Antike zurück und wurde 1980 als Bestandteil der York-Antwerpen-Regeln aufgenommen. Wie die Kosten aufgeteilt werden, entscheidet der Dispacheur, auch Haverie-Kommissar genannt. Er bestimmt die weitere Abwicklung und ist für die Ermittlung der jeweiligen Kostenanteile zuständig. Das Verfahren kann sich jedoch über einen langen Zeitraum strecken. Daher werden alle Beteiligten dazu aufgerufen eine Sicherheit zu hinterlegen. Bis zur Zahlung verfügt die Reederei dann über ein Pfandrecht auf die jeweilige Seefracht. Das heißt, die Händler erhalten ihre Ware erst zurück, wenn sie die Sicherheit gezahlt haben. Die Beteiligung an den Kosten der Rettung hängt am Ende jedoch auch davon ab, ob ein Verschulden des Schiffseigentümers oder des Kapitäns festgestellt werden kann oder nicht.  

Aktualisierte Analyse zur Kapazitätsverfügbarkeit zwischen Asien und Europa 

Nachdem die Reedereien ihre Einsatzpläne neu organisiert haben, haben die Schifffahrtsanalysten von Sea-Intelligence ihre Analyse zu den Auswirkungen auf die Kapazitätsverfügbarkeit zwischen Asien und Europa aktualisiert. Nach der früheren Analyse würden die asiatischen Häfen die Auswirkungen der Blockade des Suezkanals vor allem ab Mitte Mai spüren, was sich auch in einem starken Rückgang der Kapazitätsverfügbarkeit an asiatischen Häfen bemerkbar machen würde. Mit der aktualisierten Analyse sehen sie jedoch eine verbesserte Prognose, die Du hier nachlesen kannst. Insgesamt erwarten sie, dass der Asien-Nordeuropa-Handel auf dem besten Weg ist, bis Anfang Juni die Auswirkungen der Suez Kanal Blockade beseitigt zu haben.

Dokumentation und Transparenz gegen entstehendes Chaos

Bei Ereignissen wie der Suez Kanal-Blockade zeigt sich, wie wichtig, neben einer ausreichenden Versicherung, die Punkte Transparenz und Dokumentation entlang der Lieferkette sind. Ohne Versicherung kann ein Vorfall wie die Bergung der Ever Given hohe Verluste mit sich ziehen. Daher ist es wichtig zu prüfen, ob eine Havarie in der Transportversicherung mit inbegriffen ist. Mit einer transparenten Supply Chain kann darüber hinaus schnell auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert werden. Eine gute Dokumentation hilft außerdem den gesamten Prozess zurückzuverfolgen und im Falle von ungeklärten Fragen einzelne Schritte nachweisen zu können.  Mit der Supply Chain Management Software limbiq.com  lassen sich die Lieferungen nachverfolgen und Prozessschritte genau dokumentieren. Das hilft nicht nur dem entstehenden Chaos bei unvorhergesehenen Ereignissen zu entgehen, sondern mit einer effizienten Kommunikation auch wertvolle Zeit einzusparen.

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